Artikel-Schlagworte: „Videospiele“

Bevor man die Bedeutung speziell für Kanada erklären kann, muss man sich bewusst sein, wie Videospiele allgemein auf die Wirtschaft wirken:

  • Verkaufszahlen
  • Arbeitsplätze
  • Geschäftsmodelle
  • Firmenstandorte und Export

Es ist offensichtlich, dass Spiele genreunspezifisch einen hohen Absatzmarkt haben. Durch hohe Verkaufszahlen profitiert nicht nur der Staat durch die Mehrwertsteuer davon, sondern auch durch die Unternehmen, die sich im Land Standorte suchen, wiederum Steuern bezahlen, Arbeitsplätze bereitstellen und Gehälter an ihre Mitarbeiter zahlen, was ebenso besteuert wird.
Des Weiteren bleibt das Gehalt in der Region, was die regionale Konjunktur stärkt, was wiederum die Wirtschaft aufbaut.
Kanada hat das Potential diese Zweiges erkannt und ihn subventioniert. So werden, abhängig nach der Provinz, 15 – 40% des ausgezahlten Gehaltes an schöpferische Mitarbeiter, z.B. Programmierer, Skriptautoren oder Designer, vom Staat zurückerstattet. Davon profitieren nicht nur kleine Betriebe, auch etablierte Branchengrößen haben ihren Sitz in Kanada. So findet man Electronic Arts in Vancouver oder Ubisoft in Montreal. Durch die staatliche Unterstützung wuchs die kanadische Videospielindustrie in den letzten zwei Jahren um ein Viertel, voraussichtlich wird sie in den nächsten zwei Jahren um ein Drittel wachsen. 2013 wird somit ein Wachstum um 70% gegenüber 2009 erwartet.

Hierbei wird großer Wert auf die sogenannte Transmedia gelegt. Spiele sollen nicht immer eine Geschichte nacherzählen, beispielsweise aus einem Film, und ein schon im Voraus bekanntes Ende haben. Spiele sollen in derselben fiktiven Welt eine neue Geschichte erzählen, die sich zwar auf der bekannten Storyline aufbaut, aber nicht direkt eingreift. Der Ausgang dieses Spiels soll möglichst offen sein, dass auch das zweite Mal Spielen Spaß macht. Dazu kommen weitere Artikel, die sich um das Spiel drehen, die sich die Fans des Spieles kaufen: Comics, Apps, Kleidung oder sonstige Merchandising-Artikel – so geben nicht nur die bereits vorhandenen Kunden Geld für dasselbe Thema aus, man kann durch Videospielfremde Artikel neue Kunden gewinnen, die nicht oder noch nicht vom Gaming begeistert sind.

16 000 Mitarbeiter sind mittlerweile in der Branche beschäftigt, somit liegt Kanada in dieser Hinsicht weltweit auf Platz 3 hinter Japan und Amerika. Da in den USA jedoch neunmal so viele Einwohner leben, ist die Wichtigkeit von Videospielen für die Wirtschaft in Kanada wichtiger.

Für dieses Wachstum braucht man jedoch qualifizierte Arbeiter, die sowohl Ideen für neue Spiele haben, als auch diese Ideen in eine Software umwandeln können. Von den kanadischen Colleges und Universitäten kommen nicht genug Leute, da die Arbeit in der Videospielbranche hart und familienunfreundlich ist. Ein Gaming-Coder kann zwar durchaus das Doppelte oder Dreifache eines Durchschnittskanadiers verdienen, in Hochphasen der Produktion sind etliche Überstunden und durchgearbeitete Wochenenden normal. Einen besonders großen Mangel hat Kanada an weiblichen Programmierern. Viele Gaming Studios äußerten sich gegenüber der Zeitschrift c’t, ihre Frauenquote erhöhen zu wollen. Fachkräfte aus dem Ausland sind bei den Unternehmen zwar begehrt, die Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen von den kanadischen Behörden zu beschaffen dauert allerdings zu lange, denn zunächst muss belegt werden, dass kein Kanadier für den Beruf geeignet ist.